Die Ära, in der Konsumgüterhersteller (CPG) ihre IT-Infrastruktur mühsam in Eigenregie aufbauten, scheint endgültig vorbei zu sein. Ein aktueller Branchenbericht verdeutlicht einen massiven Wandel: Unternehmen setzen zunehmend auf spezialisierte Drittanbieter, um komplexe Anforderungen wie KI-gestützte Nachfrageprognosen, Omnichannel-Integration und Supply-Chain-Transparenz zu bewältigen. Statt auf riskante In-House-Entwicklungen zu vertrauen, wird die technologische Kompetenz heute gezielt eingekauft.
Spezialisierte Anbieter verdrängen Eigenentwicklungen
Der Hauptgrund für diesen Trend liegt in der Kosten-Nutzen-Rechnung. Die Gehälter für hochqualifizierte Tech-Talente sind massiv gestiegen, während die Risiken, die mit sogenannten „Legacy ERP“-Systemen einhergehen, unkalkulierbar bleiben. Ein einziger Fehler bei einem Software-Rollout während des kritischen Weihnachtsgeschäfts kann ausreichen, um das Ergebnis eines gesamten Quartals zu ruinieren. Auch deutsche Netzwerke und E-Commerce-Akteure beobachten, dass Händler daher lieber auf etablierte Lösungen setzen, die sich bereits bei einer Vielzahl von Kunden bewährt haben.
Aktuell stehen in der Branche mehrere technologische Transformationen im Fokus. Dazu gehört vor allem die Migration von veralteten SAP ECC-Systemen auf S/4HANA sowie die Implementierung robuster Cybersecurity-Maßnahmen für Point-of-Sale (POS) Terminals. Zudem wächst der Bedarf an KI-Modellen für Dynamic Pricing und Supply Chain Visibility, um logistische Engpässe frühzeitig zu erkennen, bevor sie die Warenverfügbarkeit im Handel beeinträchtigen.
pullquote Niemand baut heute mehr ein Loyalty-System auf einem weißen Blatt Papier auf. Talente kosten ein Vermögen, veraltete ERP-Systeme blockieren jede Änderung, und ein misslungener Rollout an den Feiertagen kann ein ganzes Quartal zerstören. :::
Lokale Regulierung als entscheidender Faktor
Ein oft unterschätzter Aspekt bei der Auswahl externer Partner sind geografische und marktspezifische Regulierungen. Eine Supermarktkette in Europa agiert unter völlig anderen rechtlichen Rahmenbedingungen als eine Getränkemarke in Asien. Globale Reichweite eines Anbieters ist daher nicht automatisch mit lokaler Effektivität gleichzusetzen. Besonders im DACH-Raum spielen Datenschutz und spezifische Compliance-Anforderungen eine zentrale Rolle.
Bevor langfristige Verträge unterzeichnet werden, sollten Marken laut Bericht zwingend die Frage des Dateneigentums klären. Es muss vertraglich festgelegt sein, wer nach Ende der Zusammenarbeit über den Code und die First-Party-Data verfügt. Zudem gilt es zu prüfen, wie Anbieter mit Personalfluktuation umgehen, um zu verhindern, dass Projekte durch den Abgang wichtiger Key Account Manager ins Stocken geraten.
Strategische Resilienz durch Deloitte und SAP
Unter den identifizierten Key-Playern sticht Deloitte hervor. Das Unternehmen konzentriert sich stark auf die Supply Chain Resilienz. Im Gegensatz zu reinen Software-Anbietern setzt Deloitte bereits auf der Ebene der Boardroom-Strategie an. Hier werden Loyalty- und Preisstrategien entworfen, bevor die technische Umsetzung in Stacks wie SAP oder Salesforce erfolgt.
Andere Dienstleister in diesem Bereich werden primär danach bewertet, wie effektiv sie spezifische Schwachstellen lösen – sei es ein schwerfälliger Checkout oder eine schrumpfende Loyalty-Basis. Die Wahl des Partners hängt letztlich davon ab, welcher Teil der digitalen Wertschöpfungskette aktuell die schwächste Performance aufweist. Durch das Outsourcing dieser hochriskanten technischen Anforderungen versuchen CPG-Marken, ihre Margen zu schützen und gleichzeitig mit der rasanten Entwicklung in den Bereichen KI und Personalisierung Schritt zu halten.
Was das für die Branche bedeutet: Der Trend zum Outsourcing markiert eine Professionalisierung des digitalen Handels. Für Affiliates bedeutet dies stabilere Partnerschaften mit Merchants, die auf verlässliche Tech-Stacks setzen, statt mit fehleranfälligen Eigenbau-Lösungen zu experimentieren.
