Die digitale Shopping-Landschaft in Europa steht vor einem massiven Umbruch. Wie aktuelle Analysen der Plattform Productrise zeigen, hat Google die organischen Produkt-Karussells aus den Suchergebnissen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) entfernt. Zwischen dem 15. und 16. September stürzte die Sichtbarkeit dieser Features in Kernmärkten wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden um 90 % bis 100 % ab. Für Advertiser und Affiliate-Partner bedeutet dies eine radikale Veränderung der Customer Journey.
DMA-Konformität erzwingt Redesign der SERPs
Grund für diesen drastischen Schritt ist der Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union. Die Regulierung soll verhindern, dass sogenannte „Gatekeeper“-Unternehmen ihre eigenen Dienste gegenüber Drittanbietern bevorzugen. Durch die Entfernung der prominenten „Beliebte Produkte“-Blöcke am oberen Ende der Suchergebnisseite (SERP) reagiert Google auf den Vorwurf der Selbstbevorzugung und schafft Platz für externe Preisvergleichsportale.
Auch deutsche Netzwerke und SEO-Experten beobachten diese Entwicklung mit Sorge, da eine der klickstärksten organischen Platzierungen faktisch über Nacht verschwunden ist. Anstelle der visuellen Karussells tritt nun eine Einheit für „Vergleichsseiten“ (Comparison Sites). Dieser neue Block enthält Links zu Drittanbietern wie Idealo oder Kelkoo. Googles eigene Shopping-Oberfläche wird hier nur noch als eine von mehreren Optionen gelistet, anstatt das visuelle Erlebnis zu dominieren.
pullquote Die Sichtbarkeit der Produkt-Karussells brach innerhalb weniger Tage um fast 100 Prozent ein – ein Kollaps, der exakt um den 15. und 16. September stattfand. :::
Der Weg zum Checkout wird für den Kunden nun länger. Nutzer müssen entweder zuerst auf ein Vergleichsportal klicken oder auf klassische, textbasierte SEO-Ergebnisse zurückgreifen. Branchenexperten erwarten, dass Merchants ihre Ausgaben für Google Shopping Ads (PLA) erhöhen werden, um die verlorene visuelle Präsenz durch bezahlte Anzeigen auszugleichen. Dies könnte den AOV unter Druck setzen, da die Akquisitionskosten steigen.
Regionale Unterschiede und Ausblick
Interessanterweise betrifft diese Änderung derzeit ausschließlich den EWR. Märkte außerhalb der EU, wie Großbritannien, die USA oder Australien, behalten die gewohnten Produkt-Karussells bei. Diese Divergenz fragmentiert die SEO-Landschaft für internationale Brands erheblich. Marketing-Teams müssen für europäische Kampagnen nun völlig andere Strategien entwickeln, da der visuelle Platz in den SERPs geschrumpft ist.
Was das für die Branche bedeutet: Der Fokus verschiebt sich weg von der reinen Produkt-Optimierung für Google hin zu einer verstärkten Präsenz auf CSS-Plattformen. Affiliate-Partner, die auf Content-Commerce setzen, müssen ihre Upper-Funnel-Strategien anpassen, um Nutzer bereits vor dem Preisvergleich abzufangen. Ob das Modell der „Vergleichsseiten“ der permanente Standard bleibt, ist noch unklar, doch die Ära der kostenlosen visuellen Dominanz für Retailer scheint in Europa vorerst beendet.
